Erzählen Sie mal... Interview mit einem Mitglied der Fraunhofer Reinigung

In unserer Interview-Reihe stellen wir Ihnen in jedem Newsletter ein Mitglied aus der Fraunhofer Reinigung einmal näher vor. Diesmal stand uns Dr. Jakob Barz vom Fraunhofer IGB Rede und Antwort. Lesen Sie mehr über seinen Werdegang sowie seine persönliche Sichtweise zu den Zielen, Potenzialen und Wünsche der Fraunhofer Reinigung.

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Wie bist Du zur FRei gekommen?

Unser Institut ist schon seit langem in der Fraunhofer Reinigung Mitglied. Ich komme ursprünglich aus der Plasmatechnik, hatte da schon oft mit dem Thema Reinigung und Reinheit zu tun, und habe dann vor einiger Zeit die Institutsvertretung in der Fraunhofer Reinigung von meinem Vorgänger übernommen.

 

Welches Ziel hast Du Dir für Deine Arbeit in Fraunhofer Reinigung gesetzt?
Das Ziel ist natürlich immer, unseren Auftraggebern und Projektpartnern bei ihren Fragestellungen bestmöglich weiterzuhelfen. Dazu gehört auch, die technischen Möglichkeiten bei vielen Gelegenheiten bei Messen, Fachvorträgen und Konferenzen vorzustellen, um dann konkrete Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Verstärkt möchte ich die Kompetenzen meiner Kolleginnen und Kollegen einbringen die mit ganz anderen Fachkompetenzen im Bereich Reinigung und Reinheit unterwegs sind.

 

Was möchtest Du den Kunden der FRei mit auf den Weg geben?

In der Fraunhofer Reinigung sind sehr viele unterschiedliche Kompetenzen vertreten. Das geht über das hinaus was wir nach außen hin darstellen können. Daher lohnt es sich, nachzufragen.

 

Was bietet das Fraunhofer IGB in der Reinigungstechnik an?

Wir befassen uns mit Reinigungstechnologien, beispielsweise Plasmaverfahren bis hin zur Biotensidentwicklung. Auch die Desinfektion von Oberflächen gehört dazu. Entsprechend bieten wir auch Analytik an. Das fängt bei chemischer und physikalischer Oberflächenanalytik an und geht bis zur mikrobiologischen Bewertung (Bakterien, Sporen, Pyrogene, Viren).

 

Was macht Dich zu einem kompetenten Partner in der Reinigungstechnik?

Ein persönlicher Schwerpunkt liegt auf Oberflächenanalytik: Die setzen wir nicht nur ein, um Reinigungsprozesse zu validieren, sondern wir führen auch viele Analysen von Produkten aus, die in der Qualitätssicherung oder schlimmstenfalls im Feld versagt haben. Um dem Kunden zu helfen die Defekte zu vermeiden, muss man gemeinsam die ganze Prozesskette durchgehen und die Fehlerquelle eingrenzen. Bei Materialverbünden ist es dann leider oft ein unpassender Reinigungsschritt, eine Aktivierung oder dergleichen, die doch nicht ganz gepasst hat. Eine oft unsichtbare Kleinigkeit, die erst am Ende bemerkt wird. Ganz nach Wolfgang Pauli: „Gott schuf das Volumen, der Teufel die Oberfläche.“ Unser Analytik-Team ist ziemlich hartnäckig: Wir wollen das Problem verstanden haben, sonst sind auch wir nicht zufrieden.

Gleichzeitig kennen wir die Herausforderungen aber auch aus der anderen Perspektive, denn wir entwickeln selbst Beschichtungen und funktionalisieren Oberflächen. Dann kommt natürlich automatisch die Frage nach der passenden Vorreinigung ins Spiel, und man baut aktiv das Portfolio an Tricks und Kniffen immer mehr aus.

 

Was wünschst Du Dir für die Branche?

Das Thema Oberflächen und Reinigung wird uns recht krisensicher weiterbegleiten: Neue Fertigungstechnologien bringen neue Anforderungen mit sich (Elektromobilität mit Batterien oder Brennstoffzellen sind dafür nur ein Beispiel). Ich hoffe und wünsche das Deutschland auch in Zukunft so kompetent und gut aufgestellt bleibt wie bisher.

 

Was braucht es dringend, damit auf dem Gebiet der Reinigungstechnik der nächste große Schritt gegangen werden kann?

Gute Frage: bis vor kurzem hätte ich darauf keine wirkliche Antwort geben können, denn es gibt rein inhaltlich eigentlich für fast alle Fragestellungen zur Reinigungstechnik eine passende Technologie. Heute denke ich, die große Herausforderung liegt im Spagat zwischen der derzeitigen Pandemie einerseits und einer nachhaltigen Technologieentwicklung andererseits.

Wir erleben, wie plötzlich der für uns selbstverständliche Technologiefortschritt plötzlich in Konkurrenz zu einem anderen Thema tritt.
Ich bin überzeugt, dass für den Wirtschaftsstandort Deutschland entscheidend sein wird, wie uns der Schritt hin zu den für Klima- und Umweltschutz erforderlichen Technologien trotz Pandemie gelingen wird: diese werden in Zukunft sicherlich global gefragt sein. Dies war schon vor Corona eine sehr große Herausforderung, jetzt ist das ganze nochmals verschärft. Man spricht derzeit oft nur vom Risiko. Wir bekommen aber auch mit, wie ganz neue Ideen (auch zur Reinigungstechnik) entstehen, wir bekommen auch mit, wie bisherige Nischenprodukte einen Boom erleben. Wir sollten jetzt dringend schauen, dass auch die starken Zugpferde der deutschen Industrie – zum Beispiel Automobil und Maschinenbau – ebenso wie bestehende und neue Technologieunternehmen bzw. –startups bestmöglich für die Zukunft gerüstet werden. Technologische Innovation bringt neue Materialanforderungen mit sich, das kommt dann auch der Reinigungstechnik zugute.